Basis-Infos
Meshtastic und Meshcore sind quelloffene und netz-unabhängige Funkanwendungen auf Basis der LoRa-Funktechnik zur Übermittlung von kurzen Textnachrichten oder Daten. Das Netz existiert unabhängig vom Internet oder anderen Kommunikations-Infrastrukturen wie dem Mobilfunk. Der Datenverkehr ist prinzipiell verschlüsselt. In Europa wird dazu vornehmlich das SRD-Frequenzband bei 868 MHz verwendet, in Nordamerika das ISM-Band oberhalb von 900 MHz ([1] zitiert aus Meshtastic – Wikipedia ).
Meshcore ist das jüngere Projekt. Es wurde erstmals 2025 vorgestellt und versucht Probleme u.a. mit Netzüberlastung durch zu viel “unkontrollierte” Datenpakete und zu viel Telemetrie Overhead (push) zu adressieren, die im Meshtastic Netz auftreten. Es kann als Weiterentwicklung von Meshtastic angesehen werden, auch wenn die Entwicklung in unterschiedlichen Communities stattfindet.
Meshcore und Meshtastic können die gleiche Hardware nutzen, die Firmware ist unterschiedlich!
Die Entwicklungs-Historie von 2025
Meshtastic versus Meshcore
Im Foliensatz von Heinz/Harvey ( Heinz (@harvey@chaos.social) - chaos.social ) vom Chaostreff in Ludwigsburg Januar 2026 wird der technische Vergleich zwischen Meshtastic und Meshcore dargestellt: https://complb.de/CompLB-Kramski-MeshCore-20260129_v02.pdf
- Meshcore Geräte haben klare Rollen: Repeater leiten Nachrichten weiter. Companions leiten nicht weiter
- die ID der Geräte ist ein public key (bei Meshtastic: MAC Hardware Adresse)
- Companions können direkt Nachrichten mit benachbarten (funk-technisch “sichtbaren”) Companions oder Repeatern austauschen
- Companions sind üblicherweise per Bluetooth mit einem Mobilgerät verbunden (Handy, Tablet)
- die Ausbreitung von Nachrichten über mehrere Repeater hinweg ist faktisch unbegrenzt (technische Grenze: 64 hops)
- Priorität haben Nachrichten, wenig overhead durch Telemetrie-Daten, die nur nach Bedarf erzeugt werden (“pull adverts”)
- Nachrichten werden übers gesamte Netz verteilt (Flooding)
- Das ist gleichzeitig ein Problem, das mittlerweile durch das Meshcore Regionen Konzept gelöst wird
- Messaging in einem resilienten und autonomen Netzwerk ist die Kernfunktion
- Tracking ist möglich, falls ein Companion einen GPS/Galileo Empfänger hat.
- IoT Datenverkehr ist im Protokoll vorgesehen, steht aber zur Zeit nicht im Fokus der Entwicklung
- Firmware ist open source. Offizielle Client-Software closed source
Meshcore Ausbreitung und Karten
Ausbreitung
Meshcore nutzt das LoRa Kommunikations-Protokoll und in Mitteleuropa den frei nutzbaren Funkbereich von 869,618 MHz (EU-Narrow-Preset). Die Reichweite von LoraWAN Daten (und damit auch von Meshcore) liegt in städtischen Gebieten bei 2-5 km, wobei auch Innenräume abgedeckt werden. In ländlichen Regionen werden praktische Reichweiten von 20-30 km angegeben, Stabile Linkstrecken von 100 oder mehr Kilometern zwischen gut gelegenen Repeatern sind aber keine Seltenheit.
Da ein Meshcore Repeater Netzwerk seine Nachrichten bis zu 64 x weiter reichen kann („64 hops“), lassen sich in der Theorie Nachrichten von einem Ende des Kontinents zum anderen senden.
Typische Meshcore Funkparameter
- Preset: EU/UK Narrow
- Frequenz: 869.618 MHz (regionale Frequenz im EU-Narrow-Preset)
- Bandbreite: 62,5 kHz (schmal, erhöht Störresistenz, geeignet für bewaldete/hügige Topografie)
- Spreading Factor (SF): 8 (höhere Reichweite, geringere Datenrate)
- Coding Rate: 8 (entspricht 4/8, für Fehlerkorrektur und Stabilität)
Karten uns Internet-Services
Offizielle Map
Die Map wird manuell bzw. teilweise automatisiert (Observer Nodes) mit Daten von Nodes gespeist, die ihre Position veröffentlichen.
Analyzer
Der Analyzer wird durch den Betrieb von Observer-Nodes, die die gehörten Pakete via MQTT ins Internet hochladen mit Daten versorgt. Neben der Map gibt es die Möglichkeit Pakete zu analysieren und Channel-Inhalte darzustellen.
Mapme.sh Coverage
Die Map wird durch “Wardriving” von Usern gefüllt. Dadurch entsteht eine Coverage-Map die zeigt in welchen Gebieten Verbindungen möglich sind.
MeshcoreSim
Die Meshcore Sim Karte visualisiert das Repeater-Mesh und ermöglicht Simulationen für den Lauf von Nachrichten. Sie basiert auf (freiwilligen) Uploads von Repeater-Nachbarn durch die Repeater Betreiber.
Für den einfachen Upload gibt es eine Android App von Marcel Verdult (Hansemesh Hamburg)
Youtube Channel Andy Kirby
Andy Kirby ist einer der Mitbegründer von Meshcore in England. Er produziert informative Videos insbesondere zu neuen Entwicklungen im Bereich Hardware und Software für Meshcore.
https://www.youtube.com/andykirby
Software-Entwicklung
Die offizielle Meshcore Firmware wird von Scott Powell und Liam Cottle entwickelt. Dabei helfen weitere Co-Maintainer und Contributor.
Entwicklung der Meshcore Firmware und FAQ
Web-Flasher
Der Web-Flasher funktioniert nur auf Chrome/Chromium und benutzt entweder Bluetooth oder die serielle USB Schnittstelle
Unter Linux kann es Rechteprobleme beim Zugriff des Browsers auf die serielle USB Schnittstelle geben. Dann muss man den Zugriff ausdrücklich für den user erlauben, der den Browser gestartet hat. Das geht mit diesem Befehl (als root):
setfacl -m u:[username]:rw /dev/ttyACM0'
Standard-Firmware und Forks
Die Standard Firmware wird vom Meshcore Kernteam in England und Neuseeland bereit gestellt. Es gibt aber Varianten (Forks) davon, ähnlich wie die GLUON Firmware als Ableitung von OpenWRT bei Freifunk.
QOS Firmware
Quality of Service (QoS) Implementierung für MeshCore
EVO Firmware
Die EVO Firmware ist im Umfeld der Kollegen von Hansemesh in Norddeutschland entstanden. Sie basiert auf dem aktuellen Entwicklungszweig der offiziellen Firmware und fügt zusätzliche nützliche Änderungen hinzu, die upstream (noch) nicht gemerged wurden. Sie wird aktuell vor allem aufgrund der Möglichkeiten zur Eindämmung von unnötigem Traffic verwendet und ist in Deutschland weit verbreitet.
Zephyr Portierung
Mit ZephCore steht eine Portierung der offiziellen Firmware auf das Zephyr Framework zur Verfügung. Das ist für die langfristige Weiterentwicklung sehr interessant, weil Zephyr als der neue Industriestandard für Mikrocontroller-Software gilt (ähnlich wie Linux für MPUs und Server).
Zephyr ermöglicht die Nutzung eines einheitlichen Frameworks mit großer Bandbreite bei der Unterstützung von Plattformen und Boards. Zudem werden einheitliche Treiber und Stacks verwendet und es stehen einfache und etablierte Möglichkeiten für die Konfiguration via Kconfig und Devicetree zur Verfügung.
Integrationen
Home Assistant
Für Home Assistant gibt es eine Meshcore Integration.
Die funktioniert vermutlich nur dann, wenn der Companion oder Repeater per USB am HA Device hängt (bei mir ein Raspi4).
Fußnoten ↩︎




